Exhibitionismus - Das Forum
Aktuelle Zeit: 23.09.2019, 15:31

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 23.01.2016, 18:00 
Offline

Registriert: 18.02.2008, 23:52
Beiträge: 148
Wohnort: Dortmund
From: EsserAlfred@aol.com
Subject: Bacheloarbeit

Polizeiakademie Niedersachsen
Exhibitionismus-Eine sozial unschädliche sexuelle Neigung oder Straftat?
von
PKA´in Veronika L..........
„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“
Jeder kennt das Spiel, welches diesen Kindervers zum Inhalt hat. Dabei bringt man Gedanken an einen mit einem schwarzen Mantel gekleideten Mann, wie einen Exhibitionisten, in Verbindung. Doch was steckt hinter diesem Phänomen des Exhibitionismus? Ist diese generelle Angst vor Exhibitionisten berechtigt? Fragen, die ich mir in meinem KED- Praktikum im AF1 aufgrund mehrerer Vorfälle und Vorgänge im Bereich des Exhibitionismus stellte und dessen Antworten Ziel dieser Arbeit sein sollen. Ich erkannte dabei, dass viele Menschen beim Thema Exhibitionismus an „gewalttätige Sexualverbrecher im Wartestand“ denken und fragte mich, ob dem tatsächlich so ist.
Zentraler Kern der Bachelorarbeit mit dem Titel „Exhibitionismus- eine sozial unschädliche sexuelle Neigung oder Straftat?“ ist insbesondere die Frage nach der Harmonie des Exhibitionismus mit dem heutigen Zeitgeist sowie der Beständigkeit eines solchen Paragraphen im Wandel der Zeit. Ziel ist die kritische Hinterfragung, ob eine Strafbarkeit des Exhibitionismus im Hinblick auf die heutige Gesellschaft gerechtfertigt ist und inwiefern es sich bei Exhibitionisten um gefährliche Straftäter handelt.
Die seit Jahren geführte gesellschaftliche und politische Diskussion über den richtigen Umgang mit Sexualstraftätern führte mehrfach zu Verschärfungen des Strafrechts. Exhibitionistische Taten spielten hierbei zunächst keine Rolle. Anstelle dessen wurde gelegentlich die Forderung erhoben, diese aufgrund ihrer lediglich belästigenden Eigenschaft zu entkriminalisieren und zu einer Ordnungswidrigkeit herabzustufen.
Es wird die Hypothese aufgestellt, dass durch die sich wandelnde Einstellung der Gesellschaft gegenüber der Sexualpräferenz grundsätzlich nicht mehr so viel Raum für eine Straftat ist wie noch 1973, im Jahre der Entstehung dieses Paragraphen.
Ähnlich fand so beispielsweise auch der § 175 StGB, der Homosexualität unter Strafe stellte, seinen Werdegang und wurde 1994 aus dem Strafgesetzbuch entfernt.
Demgegenüber wird erwidert, dass insbesondere der Schutz Anderer vor ungewollter Konfrontation mit sexuellen Handlungen durch diese Sichtweise nicht fortgewischt werden könne.
„Problematisch" sind auch die „Ungereimtheiten“ bei der strafrechtlichen Verfolgung von Exhibitionisten, da dieser Paragraph nur Männer als taugliche Täter unter Strafe stellt.
Des Weiteren stellt sich die Frage der „Sozialschädlichkeit" des Delikts: Gibt es „Opfer“ oder handelt es sich allenfalls um „Adressaten“ von Exhibitionisten? Führt der Anblick eines nackten Mannes tatsächlich zu psychischen Auswirkungen beim Beobachter? Es entstehen begründete Zweifel darin, wenn in den Bildern der modernen, medialen Welt „nackte Haut“ nicht mehr wegzudenken ist.
In Zeiten, in denen es zahlreiche FKK-Mitglieder gibt, allerorts Saunalandschaften entstehen, Nacktsport sich immer größerer Beliebtheit erfreut und Deutschland den ersten offiziellen Nacktwanderweg, den „Harzer Naturistenstieg“, einweiht, scheint es angebracht, die Akzeptanz der „Nacktheit“ in der Gesellschaft zu ergründen.
Dieses vielseitige Diskussionsmaterial, welches dieser recht kurz gehaltene Paragraph im Strafgesetzbuch bietet, soll mit dieser Arbeit zusammengefasst, verdeutlicht und hinterfragt werden.
Zunächst ist es zur Beantwortung der Fragestellung relevant, den Begriff des „Exhibitionismus“ zu betrachten. Insbesondere der §183 StGB, seine Entwicklung und heutige Ausprägung werden aus der Gegenwartsliteratur geschildert. Hierbei ist anzumerken, dass sich die folgende Arbeit ausschließlich mit dem Exhibitionismus nach § 183 StGB, also lediglich dem Exhibieren vor Erwachsenen und Jugendlichen beschäftigt. Eine exhibitionistische Handlung vor Kindern umfasst dabei andere Paragraphen und Sanktionen und wird hier nicht berücksichtigt. Hiernach widmet sich die Bearbeitung der Ursachenforschung des Exhibitionismus. Dabei werden ebenso Therapiemöglichkeiten und ihre Wirkungen dargestellt.
Anschließend rückt der Straftatbestand in der heutigen Gesellschaft in den Fokus der Betrachtung. Dabei geht es um eine mögliche Viktimisierung nach dem Beobachten exhibitionistischer Handlungen, um die Frage nach Gefährlichkeit von Exhibitionisten, die Strafwürdigung der Handlungen sowie Ansatzpunkte kritischer Betrachtungsweise. Ferner sollen hierbei die kulturelle Einflussnahme, der Vergleich zu weiblicher Exhibition sowie die relativ hohe Sanktion im Verhältnis zur heutigen Toleranz zu „Nacktheit“ dargestellt werden.
Ebenso werden zuvor durchgeführte Expertengespräche analysiert und bewertet. Experten in Bezug auf diese Bachelorarbeit sind dabei Therapeuten, Psychologen, Forscher sowie Exhibitionisten.
Ferner wird durch eine Bürgerbefragung bei den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Peine versucht, ein Meinungsbild der Bevölkerung abzuzeichnen.
Nach einem Resümee erfolgen Lösungsansätze und ein Ausblick.
2. Das Phänomen des Exhibitionismus
Exhibitionismus stammt vom dem lateinischen Wort „exhibere“, übersetzt „zeigen“, und bezeichnet abweichendes Sexualverhalten, bei dem Erregung und Befriedigung durch das „Zeigen“ des enthüllten Geschlechtsorganes gegenüber Fremden erreicht werden soll. Exhibitionistische Handlungen setzen Blickkontakte voraus und können auch mit Masturbation verbunden sein, wobei Körperkontakte in der Regel nicht gegeben sind (vgl. Abtshagen u.a. 2006: 629-630). Deshalb zählt Exhibitionismus auch zu den so genannten „Hands-Off“ Delikten.
Bei Exhibitionisten handelt es sich größtenteils um heterosexuell orientierte Personen, doch existieren auch homosexuelle oder pädophile unter ihnen(vgl. De Klerk 1993: 31). Exhibitionismus stellt ebenso eine strafbare Handlung nach § 183 StGB dar. Es handelt sich dabei um einen sexuellen Kontakt auf Distanz, wobei der Beobachter diese Konfrontation meistens nicht erwartet und es größtenteils auf unbekannte Personen ausgerichtet ist (vgl. Esser 1996: 1). Ferner ist Exhibitionismus nach der „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“ (ICD-10), übersetzt „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“, der Weltgesundheitsorganisation als eine Krankheit festgelegt und zählt dabei zu den psychischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Hier sind unter anderem die Störungen der Sexualpräferenz aufgezeigt, wozu Fetischismus, Fetischistischer Transvestitismus, Voyeurismus, Pädophilie, Sadomasochismus und Exhibitionismus zählen. Exhibitionismus wird dabei als „wiederkehrende oder anhaltende Neigung, die eigenen Genitalien vor meist gegengeschlechtlichen Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen, ohne zu einem näheren Kontakt aufzufordern oder diesen zu wünschen“(Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information 2010: 6), definiert. Weiter heißt es: „Meist wird das Zeigen von sexueller Erregung begleitet und im Allgemeinen kommt es zu nachfolgender Masturbation“ (Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information 2010: 6). Das Phänomen des Exhibitionismus ist also einerseits ein strafrechtlich unter Sanktion gestelltes, delinquentes Verhalten, andererseits eine psychosexuelle Störung.
3. Der Paragraph 183 StGB und seine Auslegungen
3.1 Inhalt der Norm
Nach § 183 Absatz 1 StGB wird ein Mann bestraft, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt. Der Strafrahmen erstreckt sich dabei auf Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. Die Tat wird grundsätzlich nur auf Antrag verfolgt, welches von Absatz 2 erfasst wird. Bei Begründung des „besonderen öffentlichen Interesses“ kann die Strafverfolgung ausnahmsweise auch von Amts wegen geboten sein (vgl. Horn 2007: 1). Weiterhin kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe nach Absatz 3 auch dann zur Bewährung ausgesetzt werden, „wenn zu erwarten ist, dass der Täter erst nach einer längeren Heilbehandlung keine exhibitionistischen Handlungen mehr vornehmen wird“ (Horn 2007: 1).
3.2 Die Entwicklung des Paragraphen
Vor dem „Vierten Gesetz zur Reform des Strafrechts“ bestrafte § 183 StGB denjenigen, der durch unzüchtige Handlungen öffentlich ein Ärgernis erregte, worunter auch exhibitionistische Handlungen fielen. Neben exhibitionistischen Handlungen wurden aber auch diejenigen sexuellen Verhaltensweisen unter Strafe gestellt, die keinen Körperkontakt beinhalteten und durch die ebenfalls öffentlich ein Ärgernis erregt wurde. Es war zwar erforderlich, dass jemand Anstoß an der Handlung nahm, doch die Norm schützte dabei das Scham- und Sittlichkeitsgefühl der Allgemeinheit, so dass in der beobachtenden Person die Allgemeinheit beeinträchtigt war (vgl. Horn 2007:1/2).
Grund für einen eigenständigen Paragraphen im Zuge der Strafrechtsreform vom 23.11.1973 war zum einen, dass exhibitionistische Handlungen den überwiegenden Teil der Norm ausmachten (vgl. Elz 2004: 10) und zum anderen wollte man „den besonderen kriminalpolitischen Problemen Rechnung tragen, die sich im Zusammenhang mit dem Exhibitionismus ergeben“ (BT-Drs. VI/1552, 31). Mit der Gesetzesnovellierung wurde dann eine eigenständige Regelung für diesen Bereich geschaffen, die auch einige Veränderungen mit sich trug. So stellt sich § 183 StGB nunmehr als relatives Antragsdelikt dar und sieht erweiterte Möglichkeiten der Aussetzung der Strafvollstreckung vor. Die Vornahme von Ärgernis erregenden sexuellen Handlungen ist jetzt von § 183 a StGB erfasst (vgl. Horn 2007: 1).
Schutzzweck des § 183 StGB besteht nun darin, den Einzelnen vor einer unerwünschten Konfrontation mit bestimmten sexualbezogenen Betätigungen zu bewahren. Geschützt sind hier somit die Privatsphäre sowie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, welches beim Versetzen in eine unfreiwillige Rolle eines sexuellen Geschehens tangiert wäre. Ein hierüber hinausgehendes Interesse der Allgemeinheit ist nicht mehr gegeben. So handelt es sich ausschließlich um eine individuelle Schutzrichtung (vgl. Von Heintschel-Heinegg 2010: 1206).
3.3 Der Tatbestand nach § 183 StGB
3.3.1 Der männliche Täter
Nach Absatz 1 des § 183 StGB wird ein Mann bestraft, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt.
Ein 1970 vorgelegter Vorschlag der Bundesregierung lautete zunächst: „Wer eine Frau durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird […] bestraft“ (Elz 2004: 11). Es ergab sich folglich schon aus der Definition heraus, dass ausschließlich Männer als taugliche Täter in Betracht kämen. Hierzu fand keine genauere Erklärung statt. Man stellte dann im Rahmen des Ausschusses zwar fest, dass exhibitionistische Handlungen vereinzelt auch bei Frauen vorkämen, doch diesen wurden nicht die von männlichen Exhibitionisten typischerweise ausgehenden negativen Auswirkungen unterstellt. Deshalb wurde exhibitionistisches Verhalten von Frauen vor Erwachsenen und Jugendlichen nicht unter Strafe gestellt (vgl. Elz 2004: 12). Da man aber feststellte, dass die negativen Auswirkungen auch bei männlichen Opfern eintreten könnten, sollte zumindest dies durch das Gesetz nicht ausgeschlossen werden und es standen dann in einem neuen Entwurf keine Einschränkungen bezüglich der Opferseite mehr im Gesetzestext (vgl. Elz 2004: 12).
3.3.2 Die exhibitionistische Handlung
Die exhibitionistische Handlung besteht darin, dass der Täter sein nicht notwendigerweise erigiertes Geschlechtsteil entblößt, um eine andere Person ohne dessen Einwilligung, gleich welchen Geschlechtes, zur Wahrnehmung zu veranlassen. Hierbei ist es nicht notwendig, dass der Täter eine sexuelle Handlung an sich vornimmt. Weiterhin muss der Vorsatz gegeben sein, eine optische Beziehung zur anderen Person herzustellen. Es muss ferner eine Absicht des Täters bestehen, sich entweder allein durch die Entblößung oder durch die Wahrnehmung der Handlung eines Anderen sexuell zu erregen, seine Erregung zu steigern oder sich sexuell zu befriedigen. Es fehlt beispielsweise an diesen notwendigen Gegebenheiten, wenn der Täter sich in der Absicht der Provokation, man nehme dafür das gängige Beispiel des „Flitzers“, oder des Urinierens entblößt. Ob eine exhibitionistische Handlung öffentlich stattfindet oder nicht, ist für die Erfüllung des Straftatbestandes ohne Bedeutung (vgl. Laufhütte u.a. 2010: 1142).
3.3.3 Die Belästigung einer anderen Person
Zur Vollendung des Deliktes muss ebenfalls die Belästigung einer anderen Person gegeben sein, wobei es sich bei der Person nicht um die vom Täter ausgewählte handeln muss. Dies setzt voraus, dass die exhibitionistische Handlung von einer anderen Person tatsächlich, auch in ihrer sexuellen Tendenz, anerkannt wurde. Es kann aber nicht von einer Belästigung gesprochen werden, wenn die entsprechende Person sich in ein Umfeld begibt, in dem das Nacktsein akzeptiert ist, so bei Saunabesuchen oder FKK- Stränden (vgl. Horn 2007: 3). Liegt die Anerkennung der exhibitionistischen Handlung durch einen Anderen vor, so muss noch eine negative Gefühlsempfindung von einigem Gewicht hinzutreten. Hierzu zählen Schrecken, Ekel und Ärger, nicht hingegen reine Verwunderung, Mitleid mit dem Täter oder gar Vergnügen. Folglich ist das Merkmal der Belästigung sehr vom subjektiven Empfinden des Beobachters abhängig (vgl. Von Heintschel-Heinegg 2010: 1206/1207).
3.3.4 Weitere Erfordernisse nach § 183 StGB
Über die bereits oben erwähnten Absichten hinaus ist es in subjektiver Hinsicht erforderlich, dass der Täter die Belästigung einer anderen Person durch sein Handeln zumindest für möglich hält und dies für den Fall auch in Kauf nehmen würde (vgl. Horn 2007: 3).
Gemäß Absatz 2 des § 183 StGB werden diese Taten grundsätzlich nur auf Antrag des Belästigten verfolgt. Ausnahmen finden statt, sobald für einen konkreten Einzelfall das „besondere öffentliche Interesse“ an der Strafverfolgung bejaht wird und die Staatsanwaltschaft ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält (vgl. Horn 2007: 4/5).
4. Zur Ursachenforschung des Phänomens
4.1 Warum zeigen Menschen sexuell abweichende Erregungsmuster?
Aus psychologischer und soziologischer Sicht zählt Exhibitionismus auf der Ebene des Verhaltens zur „Paraphilie“, auch „sexuelle Deviation“ genannt. Dieses definiert sich als sexueller Drang nach einem unüblichen Sexualobjekt oder nach unüblicher Art sexueller Stimulierung (vgl. Fahrner & Kockott 2000: 95/96). Die große Variationsbreite menschlicher Sexualität macht eine Grenze zwischen „Normalität“ und „Abweichung“ kompliziert. Die Soziologie beschäftigt sich dabei mit den Verhaltensweisen, „mit denen die sich Verhaltenden einen subjektiv gemeinten Sinn verbinden, womit das Verhalten zum Handeln wird. Ist dieses Handeln auf andere Menschen bezogen, so wird es zum sozialen Handeln. Die Soziologie versucht, dieses soziale Verhalten zu verstehen und zu erklären“ (Lamnek 2007: 15). Der Fokus der Betrachtung erstreckt sich dabei also weiter, als der der Kriminologen über lediglich kriminelle Abweichung.
Zur wissenschaftlichen Bewertung eines sexuellen Verhaltens, Phantasien oder Bedürfnissen als „deviant“ müssen die „abweichenden“ Inhalte mindestens das deutliche Übergewicht in der Sexualität verzeichnen. Zudem müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Dabei müssen die Erscheinungen über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten aufgetreten sein. Ferner müssen dadurch in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigungen im sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen auftreten (vgl. Fahrner & Kockott 2000: 95/96). Darüber hinaus wird von bestimmten Intensitätsstufen ausgegangen. Die vierte und letzte Stufe umfasst die progrediente Entwicklung der stabilen devianten Orientierung (vgl. Schorsch 1985: 253- 269). Dieser Stufe kommt dabei besondere Bedeutung zu, da eine verminderte Schuldfähigkeit im Bezug auf das Strafgesetz bejaht werden kann (vgl. Fahrner & Kockott 2000: 95/96). Um diese einer Untersuchung zu unterziehen, existieren so genannte „Leitsymptome“. Diese setzen sich zusammen aus dem Verfall an die Sinnlichkeit, der zunehmenden Häufigkeit sexuell devianten Verhaltens mit abnehmender Befriedigung, dem Trend zur Anonymität und Promiskuität, dem Ausbau devianter Phantasien und Praktiken sowie einem süchtigen Erleben (vgl. Giese 1962).
Erste Anzeichen einer sexuellen Devianz sind meist während der Pubertät bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen erkennbar und werden mit ansteigendem Lebensalter seltener (vgl. Fahrner & Kockott 2000:100).
Die Ursachen für solch ein Verhalten sind nicht eindeutig festgestellt. Auch der Diplompsychologe und psychologisch approbierte Psychotherapeut Kriegesch, mit dem ein Interview durchgeführt wurde, bestätigte dies. Demnach gebe es verschiedene Auffassungen, aber keine gesicherten Erkenntnisse. Die am meisten verbreitete Theorie sei die so genannte „Prägungstheorie“, wonach in der frühkindlichen Entwicklung eine Prägung bei der jeweiligen Person stattgefunden habe, die für die sexuelle Orientierung ausschlaggebend gewesen sei. Ist diese Prägung erst einmal verankert, lasse sie sich nicht mehr ändern. So könne man aus keinem homosexuell ausgerichteten Menschen einen heterosexuell ausgerichteten machen. Diese Prägung könne durch viele verschiedene Dinge erlebt werden, wobei dem Patienten diese Motive meist nicht mehr bewusst seien, sie aber fast immer durch das Umfeld des Betroffenen geprägt werden würden. Bei Exhibitionisten könne auch die Verstärkung bestimmter Verhaltensweisen eine Rolle spielen, so zum Beispiel durch positive Erlebnisse beim Entblößen in der Kindheit (vgl. Experteninterview mit Herrn Kriegesch: Anhang 1).
4.2 Behandlungsmöglichkeiten und ihre Wirkungen
4.2.1 Beratende Gespräche
Ein offenes und neutrales Gespräch mit einem Unbeteiligten zu führen, kann oftmals schon eine erste psychische Entlastung darstellen. Hierin gilt es, die devianten Züge herauszustellen und abzugrenzen sowie herauszufiltern, von wem die Motivation zu einer Therapie stammt. Denn oftmals kommt es nicht durch Eigeninitiative zu Maßnahmen solcher Art, sondern gründet auf dem Druck von außen. Weiterhin können Therapiemöglichkeiten aufgezeigt und eine eventuelle, zumindest teilweise, Akzeptanz des devianten Verhaltens erzielt werden, so zum Beispiel bei FKK-Besuchen (vgl. Fahrner & Kockott 2000: 101/102).
4.2.2 Medikamentöse Behandlung
Der Beginn einer Psychotherapie ist unerlässlich mit einer medikamentösen Behandlung zu koppeln. Hierzu dient in Europa das so genannte „Cyproteronacetat“, welches seine Wirkung in der Dämpfung der sexuellen Appetenz erfährt. Diese Behandlung sollte aber immer mit einer entsprechenden Psychotherapie gekoppelt werden, da die Medikamente nur das sexuelle Bedürfnis herabsetzen und dies auch nur über den Zeitraum der Einnahme (vgl. Fahrner & Kockott 2000:102/103).
4.2.3 Psychotherapie
Im Vormarsch sind die „kognitiv behavioralen Verfahren“. Dabei geht es darum, Einstellungen zu hinterfragen und sich entsprechendes Verhalten bewusst zu machen. Die Therapie macht es sich zum Programm, in kritischen Situationen einen „richtigen“ Umgang zu vermitteln. Der Betroffene soll dabei lernen, die Verantwortung für seine Devianz zu tragen -und somit auch mit deren Folgen umgehen zu müssen. Nur in sehr seltenen Fällen wird eine vollkommene Heilung erreicht, doch der richtige Umgang erleichtert eine Akzeptanz der sexuellen Orientierung (vgl. Experteninterview mit Herrn Kriegesch: Anhang 1).
Verhaltenstherapeutische Schwerpunkte stellen die Reduktion bzw. Kontrolle über das sexuelle Verhalten, Aufbau nicht-devianter sexueller Aktivitäten, Verbesserung sozialer Fertigkeiten sowie interpersonelle Kommunikation dar. Die Reduktion bzw. Kontrolle über das Verhalten beinhaltet unter anderem die so genannte „verdeckte Sensibilisierung“. Hier wird der Patient angehalten, sich in eine Situation devianten Verhaltens hineinzuversetzen und dabei die negativen Erlebnisse herauszuarbeiten, beispielsweise die negativen Reaktionen eines Passanten. Weiterhin umfasst dies auch Selbstkontrollmethoden, wobei sich der Patient in kritischen Situationen ablenken und alternative Möglichkeiten entwickeln soll. Dabei geht es darum, sich das Motiv des Exhibierens, eine entsprechende Situation, einen entsprechenden kognitiven Prozess und das „Opferprofil“ bewusst zu machen. Der Erkennung des Motivs ist zu Eigen, sich die sexuelle Orientierung, beispielsweise „junge Frauen“ bewusst zu machen. Weiter geht es um das Herausfiltern von für den Betroffenen „geeigneten“ Situationen, so zum Beispiel ein bestimmter Park. Mit den exhibitionistischen Handlungen gehen auch kognitive Prozesse einher, in denen sich der Betroffene Entschuldigungen, Ausreden und ähnliches zurechtlegt. Diese gilt es ebenfalls zu erkennen. Letztendlich muss einem das „Opferprofil“ bewusst gemacht werden, so beispielsweise ein bestimmter Typ Frau. Sind diese Punkte herausgefiltert, geht es in der Therapie weiter darum, Verhalten zu lehren, durch welches man in entsprechenden Situationen entgegen wirken kann. So kann man beispielsweise versuchen, „geeignete“ Orte zu meiden oder das Zurechtlegen von Entschuldigungen bewusst zu erkennen und dem auszuweichen (vgl. Experteninterview mit Herrn Kriegesch: Anhang 1). Die Verbesserung bzw. der Aufbau nicht devianten sexuellen Verhaltens ist individuell nach Patient und Partnerschaft zu betrachten und zu therapieren. Dies kann beispielsweise zur Erforderlichkeit sexueller Beratungsgespräche von Partnern führen (vgl. Experteninterview mit Herrn Kriegesch: Anhang 1). Der Bereich der sozialen Fertigkeiten und interpersoneller Kommunikation umfasst die Verbesserung der sozialen Kompetenz, der Kommunikation und des Problemlöseverhaltens, welches oft durch Gruppentherapien vermittelt wird (vgl. Experteninterview mit Herrn Kriegesch: Anhang 1). All diese Therapiemöglichkeiten haben lediglich eine Verbesserung des Umgangs und der Akzeptanz der sexuellen Deviation zum Inhalt, eine vollkommene Heilung ist im Regelfall nicht möglich.
5. Der Straftatbestand exhibitionistischer Handlungen in der heutigen Gesellschaft
5.1 Führt das Wahrnehmen einer exhibitionistischen Handlung zu psychischen Schäden beim Beobachter?
Die Strafbarkeit von exhibitionistischen Handlungen hat trotz vieler Forderungen nach Herabstufung des Straftatbestandes heute noch genauso Bestand und gründet vor allem darin, dass die Situation für die belästigte Person meist überraschend komme und diese häufig Ängste davor hege, ob die Handlung nur den Anfang eines schwerwiegenderen sexuellen Übergriffes darstellt. Weiterhin könne das psychische Wohlbefinden eines Belästigten beeinträchtigt werden. Sander (1997) schildert in seinem Text „Ist eine Strafbarkeit exhibitionistischer Handlungen gerechtfertigt?“, dass der empirische Kenntnisstand besagt, dass es beim Erleben einer exhibitionistischen Handlung regelmäßig zu keinen nachhaltigen psychischen Beeinträchtigungen komme. Auch in den Ausführungen zur Strafrechtsreform 1973 wird dargestellt, dass exhibitionistische Handlungen in der Regel keinen schweren Taten seien. Demnach würden die Personen, denen der Exhibitionist gegenübertritt, nur belästigt, nicht aber nachhaltig geschädigt werden. Außerdem wahre der Exhibitionist in der Mehrzahl der Fälle die Distanz zum „Opfer“. Psychische Schädigungen seitens der Beobachter könnten ganz und gar vermieden werden, wenn diese Tatsache bekannter werden würden. Diese Auffassung über die relative „Harmlosigkeit“ der Auswirkungen exhibitionistischer Handlungen hatte der Gesetzgeber folglich schon vor über 30 Jahren (vgl. Esser 1996: 105/106). So führte beispielsweise eine Bremer Juristin an, dass es bei diesem Delikt zu einer sehr geringen Sozialschädlichkeit komme und man die „Beobachter“ des Exhibitionismus nicht als „Opfer“, eher als „Adressaten“ des Exhibitionisten bezeichnen könne (vgl. Diehl 2008: 2).
In einer Forschung der Kriminologischen Zentralstelle wurde bezüglich der „Opfer“ folgendes herausgestellt: Komme es zu psychischen Veränderungen beim Beobachter, sei diese eher „mit den Folgen einer missverständlichen erzieherischen Handhabung des Sexualtabus“ (Schönefelder, 1970, zitiert nach Elz 2004) in Beziehung zu setzen. Interessant stellen sich weiterhin die untersuchten Gründe für die Anzeige exhibitionistischer Handlungen dar. Einige „Opfer“ ziehen die Polizei demnach nicht hinzu, weil sie sich belästigt fühlen, sondern weil sie Andere davor schützen wollen, dass ihnen etwas Schlimmeres passiert. Besonders hoch ist dann natürlich die Anzeigebereitschaft, wenn schwere, noch ungeklärte Sexualverbrechen in der jeweiligen Region für Unruhe sorgen (vgl. Elz 2004: 29/30).
Aus psychologischer Sicht, so Herr Kriegesch, erschließe sich eine Traumatisierung ebenfalls nicht. Zwar habe dies viel mit der Haltung der betreffenden Person zu Sexualität zu tun, doch eigentlich sei es „bizarr“, dass man glaube, etwas Natürliches an uns könne solche Folgen auslösen (vgl. Experteninterview mit Herrn Kriegesch: Anhang 1).
5.2 Sind Exhibitionisten gefährliche Straftäter?
Von entscheidender Bedeutung zur Beantwortung der Frage nach Rechtfertigung des Straftatbestandes ist weiter die Erkundung, ob die begründete Gefahr besteht, dass eine solche Situation in ein schwerwiegenderes Sexualverbrechen münden könnte. In einer Fassung eines Gesetzesentwurfes im Bundestag von 2002 heißt es, dass es Hinweise gebe, nach denen „auch bei Tätern niedrigschwelliger Sexualdelikte wie der exhibitionistischen Handlung nach § 183 StGB mit erneuten Straftaten und dabei häufig auch mit einer Straffälligkeit im Bereich gravierenderer Sexualdelikte zu rechnen ist“ (BT-Drs. 15/29, zitiert nach Görgen 2003). Befunde des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens ergaben, dass Exhibitionisten, die erneut straffällig wurden, auch Steigerungen der Deliktschwere aufwiesen, doch dies eher selten (vgl. Görgen 2003: 26). Egg (1999: 370) hält dabei aber fest, dass in einigen Fällen eben auch schwerere Sexualdelikte begangen worden sind und dies nicht fortgewischt werden könne.
Heimann (2001: 90-92) vergleicht in seinen Untersuchungen Exhibitionisten mit Personen, die ebenfalls wegen weiterer, schwerer Sexualstraftaten auffällig wurden. Er kam dabei zu dem Ergebnis, dass jeder vierte Exhibitionist im Laufe seiner kriminellen Karriere wegen eines weiteren (schwereren) Deliktes sexualisierter Gewalt in Erscheinung tritt. Eine weitere Untersuchung ergab bei einer Gesamtzahl von 70 Exhibitionisten 8,6 Prozent, die wegen Vergewaltigung oder zumindest versuchter Vergewaltigung auffielen (vgl. Görgen 2003: 27). Görgen (2003) stellte weiter dar, dass Exhibitionisten keine homogene Gruppe seien und daher differenzierter Betrachtung bedürfen. „Soweit bei ihnen dissoziale und sexuell aggressive Tendenzen auftreten, ist nach derzeitigem Kenntnisstand zugleich das Risiko strafrechtlicher Verfolgung besonders hoch“ (Görgen 2003: 28). In der Gegenwartsliteratur wird die Frage nach Eskalation einer exhibitionistischen Situation für den Zeugen überwiegend verneint (vgl. Sander 1997: 451und Heimann 2001: 92). Der Exhibitionismus wird hier auch als das harmloseste aller Sexualdelikte bezeichnet (vgl. Lautmann 1993: 8), gründend in der Tatsache, dass Übergänge in manifeste Aggressionen sehr atypisch seien und am Ende nicht viel mehr bleibe, als eine unschickliche Belästigung (vgl. Heimann 2001: 90). Um die Frage nach Harmlosigkeit oder Gefährlichkeit von Exhibitionisten zu klären, wurden auch durch die Kriminologische Zentralstelle Untersuchungen durchgeführt und diese in dem Buch „Exhibitionisten: Täter, Taten, Rückfall“ publiziert. Auch hier stellt man sich die Frage nach dem Übergang exhibitionistischer Straftäter im Laufe ihrer kriminellen Karriere zu immer schwereren Sexual- und Gewaltdelikten: „Wird einerseits unter Verweis auf die geringe Schwere des Normverstoßes die Entkriminalisierung dieses Deliktsbereiches und die Herabstufung zu einer Ordnungswidrigkeit befürwortet, so wird andererseits auch die Position vertreten, exhibitionistische Handlungen stünden zum Teil am Beginn krimineller Karrieren, welche auch schwerwiegende gewaltförmige Sexual- oder sonstige Delikte einschlössen“ (Görgen 2003: 8). Die Studie kam letztendlich zu dem Ergebnis, dass es entgegen der publizierten Vermutung einiger Landesjustizminister klinisch keinen Anhaltspunkt dafür gäbe, dass Exhibieren ein typisches Einstiegsdelikt in spätere sexuell motivierte Gewaltkriminalität wäre (vgl. Elz u.a. 2004).
Die Tätergruppen setzen sich außerdem überwiegend aus schüchternen, zurückhaltenden, unsicheren und passiven Männern zusammen, die oft angstbesetzt sind und denen die sexuelle Durchsetzungsfähigkeit fehlt. Dafür spricht auch die für die Tat charakteristische Distanz zu den „Opfern“. Wird die Distanz zum Gegenüber seitens des Täters aufgehoben, so handelt es sich in diesen seltenen Fällen um kurze körperliche Berührungen oder verbale Drohungen. Nach den Handlungen verlassen die Exhibitionisten den Ort des Geschehens im Regelfall unverzüglich. Eine Eskalation ihrer Handlungen ist deshalb bei dem Normalfall in der Theorie nicht zu befürchten, wird als atypisch angesehen und ist in der Praxis auch nicht gegeben (vgl. Chrzanowski 1999: 6). Ausnahmen sind gewiss nicht auszuschließen, doch können diese nicht zu einer Generalisierung führen.
Dieser Meinung ist auch Herr Kriegesch: „Exhibitionismus zählt zu den „Hands-Off“ Delikten, das bedeutet, für sie ist die Distanz zum Opfer typisch. Typisches Exhibieren stellt somit keine Gefahr dar. Es hängt natürlich von den entsprechenden Phantasien und Erfahrungen ab. Man stellt sich den typischen Exhibitionisten ja immer als Mann mit einem Mantel vor, der diesen auf einmal aufreißt und sein entblößtes Glied zeigt, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Doch oft ist die Phantasie dabei eine ganz andere: die Beeindruckung der Zielperson. Übergriffe sind diesen Phantasien nicht eigen. Es gibt natürlich sexuelle Abweichungen, die sich entwickeln, mit Exhibitionismus, Voyeurismus und ähnlichem beginnen und später in einem Sexualmord enden. Die Ursachen dafür kennt man aber nicht. Bei den Meisten entwickelt sich so etwas aber nicht, sondern bleibt auf einem „Level“. In der Wissenschaft ist derzeit die Tendenz zu erkennen, Exhibitionismus zu thematisieren. Das hängt damit zusammen, dass -wenn man zum Beispiel Sexualstraftäter wie Vergewaltiger oder Sexualmörder untersucht- auch Masochismus, Fetischismus, Exhibitionismus usw. erkannt werden. Im Umkehrschluss glaubt man dann, dass solche Neigungen den Anfang zu schwereren Delikten darstellen, also eine Gefahr. Doch dies ist grundsätzlich nicht so“ (Experteninterview mit Herrn Kriegesch: Anhang 1).
5.3 Die Diskussionen um den Exhibitionismus
5.3.1 Strafwürdigkeit der Handlungen
Die Diskussionen zum Thema Exhibitionismus erstrecken sich mitunter auf die Strafwürdigkeit exhibitionistischer Handlungen. In der Studie der Kriminologischen Zentralstelle von 2004 werden beispielsweise die kontroversen Meinungen dargestellt. Demnach existiert unter anderem die Auffassung, dass der Straftatbestand zwar bestehen bleiben sollte, allerdings mit dem Tatbestandsmerkmal „in bedrohlich erscheinender Weise“ erweitert werden sollte. Dieser Vorschlag wurde im Regierungsentwurf allerdings dahingehend abgelehnt, dass dies wahrscheinlich die typischen Exhibitionisten vom Straftatbestand ausschließen würde. Anderseits wird die Strafwürdigkeit exhibitionistischer Handlungen deshalb ganz und gar verneint, da eine wesentliche Schutzbedürftigkeit anderer Personen nicht vorläge (vgl. Elz 2004: 14). Grund für diese Annahme liegt vor allem darin, dass es beim Beobachten einer exhibitionistischen Handlung nicht zu psychischen Folgeschäden komme und die Eskalation in schwerwiegendere Delikte atypisch sei (vgl. Chrzanowski 1999: 7).
Weiter erstrecken sich die Diskussionen auch auf die Behandlungsbedürftigkeit der Täter. Da dem Gesetzgeber bewusst ist, dass eine Inhaftierung zur Verstärkung der Spannung und Problematik bei Exhibitionisten führt und die „schädlichen Auswirkungen dieser Handlungen verhältnismäßig gering sind“ (BT-Drs. VI/3521, 55 f.) wurde in Absatz 3 die erweiterte Aussetzungsmöglichkeit geregelt. Dies hat zur Folge, dass das Gericht im Rahmen einer Ermessensentscheidung eine Freiheitsstrafe auch dann zur Bewährung aussetzen kann, wenn damit gerechnet werden muss, dass es vor Beendigung der Behandlung zu weiteren exhibitionistischen Handlungen kommt. Dadurch, dass der Gesetzgeber hier also die Rückfalltaten des Exhibitionisten unter bestimmten Gegebenheiten toleriert, kann nicht davon ausgegangen werden, dass es sich um eine gefährliche Tat für die Allgemeinheit handelt (vgl. Elz 2004: 18-20).
Auch die Ungereimtheiten bezüglich der Verfolgung weiblicher Exhibition erscheinen unverständlich. Wesentliches Merkmal der Norm stellt schließlich die in ihr geschützte Belästigung dar. Wenn diese Folge nun bei einem Mann eintreten würde, der eine Frau bei einer exhibitionistischen Handlung beobachtet, könnte das Verhalten der Frau trotzdem nicht nach diesem Paragraphen verurteilt werden, da es an der Tatbestandsmäßigkeit des Merkmales „Mann“ scheitert. Auch der Ausschuss schloss dieses Verhalten einer Frau nicht aus. Würde es also zu solch einer Situation kommen, ist die grundsätzliche Privilegierung der „Täterin“ nicht nachvollziehbar (vgl. Elz 2004: 11-13).
Es lässt sich somit bei erster Betrachtung bereits feststellen, dass der Bereich des Exhibitionismus einige Ungereimtheiten aufweist und damit auch Ansatzpunkte für Kritiker und Befürworter der Entkriminalisierung gibt, die im Folgenden dargestellt werden sollen.
5.3.2 Ansatzpunkte kritischer Betrachtungsweise
„Solange männlicher Exhibitionismus kriminalisiert und daher fast ausschließlich nur von der strafrechtlichen Seite untersucht und betrachtet wird, oder wie diese unerwünschte Neigung wegtherapiert werden kann (was übrigens kaum gelingt) bleibt es leider ein unerforschtes Gebiet“ (Esser 2006: 12).
Auch heute noch gibt es kontroverse Diskussionen und Meinungen bezüglich der Ursachen und des richtigen Umganges mit Exhibitionisten, welches den Kritikern einige Ansatzpunkte liefert.
Kritiker begründen, wie beispielsweise Alfred Esser (1996) in seinem Buch „Zeigen verboten“, ihre Forderung nach Herabstufung der Strafbarkeit mit der geringen Sozialschädlichkeit für die Opfer und der generellen „Harmlosigkeit“ von exhibitionistischen Handlungen und setzen hierbei auf eine Herabstufung zu einer Ordnungswidrigkeit.
Neben der Angst vor schlimmeren Übergriffen bliebe dann im Grunde nur noch die Belästigung. Und entsprechend einer Belästigung sollte der Tatbestand auch behandelt werden und zu einer Ordnungswidrigkeit herabgestuft werden, so auch die Ansichtsweise von Frau Elz (vgl. Experteninterview mit Frau Jutta Elz: Anhang 2). Ein systematischer Berater und Therapeut äußerte sich dazu auf einer Internetseite zu Exhibitionismus, indem er beispielhaft aufführte, was für Belästigungen ein Mensch täglich ausgesetzt ist: ein Gang durch Berlin in Bedrängung von Bettlern oder Zeitungsverkäufern von Obdachlosenzeitungen, Gruppen- Urinieren an öffentlichen Toiletten, betrunkene Junkies und vieles mehr (vgl. Thiel 2010: 13-15). Weiter sagt er: „Gehen Sie als Betroffener und sich belästigt Fühlender mal deswegen zur Polizeiwache und erstatten Strafanzeige gegen den Belästiger oder die Belästigerin. Sie können froh sein, wenn Sie ohne Zwangsjacke und das gerichtlich angeordnete Rechtsinstitut der Betreuung wieder aus der Polizeiwache herauskommen“ (Thiel 2010: 13/14).
Doch der Straftatbestand hat trotz alledem heute noch genauso Bestand und diese „Kriminalisierung“ des Verhaltens dementsprechende Folgen. So werden Exhibitionisten teilweise auch heute noch mit schweren Sexualverbrechern „in einen Topf gesteckt“, welches auch in journalistischen Ausführungen erkennbar ist. „Headlines“ wie „Sexgangster belästigt Frauen“ oder „Ein Perverser“ bei der Harry Potter Prämiere am 11.11.2010, der, so schreibt die Bildzeitung (2010) beispielsweise, seinen „Zauberstab“ entblößen wollte.
Schon seit Jahren ist unter Sozialwissenschaftlern und Juristen bekannt, dass Inhaftierungen nicht den gewünschten Erfolg erzielen, sondern die „Zeigesucht“ nur noch verstärken und somit zu höheren Rückfallquoten führen, welches einen weiteren Ansatzpunkt für die Befürworter der Herabstufung liefert (vgl. Esser 1996: 107). Alfred Esser wandte sich 1993 an das Justizministerium in Bonn mit dem Hinweis auf Verstärkung der „Zeigesucht“ durch die Inhaftierung sowie der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern im Gesetz. Interessant hierzu vor allem die Antwort des Bundesministeriums vom 28.05.1993 (vgl. Anhang 3). Der Gesetzgeber gesteht hier ein, dass die Strafvorschrift einige Probleme aufwirft, die sich im Bereich sozialer Konflikte sowie erschwerender Therapie ansiedeln, doch hält er trotzdem an den Strafandrohungen fest. Dies begründet er vor allem durch den Schutz, der den „Opfern“ von exhibitionistischen Handlungen entgegengebracht werden soll. In den Ausführungen wird explizit die Angst vor „schwerwiegenderen sexuellen Angriffen“ erwähnt.
Die vielen Ansichten und Diskussionen führen allerdings zu Problemen, so auch bei der Polizei: Wie geht man mit Exhibitionisten um? Sind sie gefährlich und dementsprechend nicht zu unterschätzen oder sind sie doch ähnlich einer Person zu behandeln, die „nur“ einen Passanten belästigt? Und sind die Polizeibeamten wirklich vorurteilsfrei oder denken sie alle an bekannte Exhibitionisten, wenn es um die Aufklärung einer schwerwiegenden Sexualstraftat im selben Bereich geht? Sind solche Gedanken gerechtfertigt oder ist es so, als würde man nach einer Fahrerflucht jeden Geschwindigkeitsübertreter in Betracht ziehen?
Doch Unklarheiten sind nicht nur bei der Polizei, sondern auch bei der Justiz zu beklagen. Während die einen die Handlung des Exhibierens als verwerflich und hart zu bestrafenden Tatbestand ansehen, werten andere solch einen Vorfall als nicht ernstzunehmend bzw. als ein Problem, welches bei Psychologen und Therapeuten und nicht vor Gericht verhandelt werden sollte. Ungereimtheiten der Strafverfolgung nehmen daher ihren Lauf.
Insgesamt kann man also festhalten, dass sich die Einstellungen und Meinungen zum Thema Exhibitionismus sehr umstritten darstellen. Sind einerseits die Argumente der „Gegner“ des Paragraphen nachvollziehbar, so sieht die Gesetzgebung doch ein begründetes Erfordernis, dieses Verhalten weiter unter Strafe zu stellen. Wären die Hintergründe des männlichen Exhibitionismus jedoch bekannter und manche Vorurteile aus der Welt geschaffen, könnte die Gesellschaft in unserem Land zumindest besser damit umgehen.
5.3.3 Unsere Kultur bestimmt „Normalität“ und „Abweichung“
Rafael Behr stellte in seinen Ausführungen über „Cop Culture“ fest, dass Abweichung und Konformität von den gesellschaftlich gültigen Werten und Normen bestimmt werden und nicht davon, was im Gesetz verankert ist (vgl. Behr 2002: 273).
Und so bestimmt unsere Gesellschaft auch die Normen und Werte zur Sexualität. Es besteht gewissermaßen ein „soziales Drehbuch“, welches generationsweise weitergegeben wird und welches bestimmt, was als „normal“ angesehen wird.
Die Einordnung nach Paraphilie ist Kultur und Zeit gebunden. Der Transvestitismus beispielsweise fällt bei uns ebenfalls unter die Paraphilien, in anderen Kulturkreisen genießen diese Menschen jedoch hohes Ansehen, so wie zum Beispiel bei einigen Naturvölkern Südostasiens. Doch nicht nur in verschiedenen Kulturen werden gleiche Sachverhalte unterschiedlich bewertet. So können sich im Wandel der Zeit auch in einer Kultur Bewertungsmaßstäbe ändern, wie beispielsweise die Sichtweise zu Homosexualität (vgl. Fahrner & Kockott 2000: 97).
Interessant stellt sich diesbezüglich auch eine Ausführung von Alfred Esser in seinem Buch „Zeigen verboten“ dar. Hier berichtet der langjährige Exhibitionist, dass Frauen aus anderen Kulturen anders reagieren, als es die deutschen Frauen tun. Sie seien nicht so ängstlich, welches er auf die unterschiedliche Kultur zurückführt. So sei ein aufgerichtetes Glied für beispielsweise eine asiatische Frau aus buddhistischer Kultur nichts Bedrohliches, sondern wird mit Fruchtbarkeit und Leben verbunden, nicht mit Gewalt, Vergewaltigung und Schändung, wie es bei uns oftmals der Fall ist. Diese Ausführungen gründen in der Tatsache, dass in anderen Kulturen divergent gedacht und demnach auch geurteilt wird. Kurze, aufreizende weibliche Kleidung, wie sie in unserer Kultur hingenommen wird, gilt anderswo zum Beispiel als anstößig und wird verachtet (vgl. Esser 1996: 80/81). Die unterschiedlichen Beurteilungen haben somit auch viel damit zu tun, was uns als Kind übermittelt wurde und sich später in der Sozialisation, wiederum begründet in der geschichtlichen Kultur, weiterentwickelt.
So passen sich viele Sichtweisen mit der Zeit an die Entwicklung in der Gesellschaft an. Eine zum Nachdenken anregende Überlegung ist hierbei die folgende Aussage eines Richters im Strafverfahren gegen Alfred Esser wert: „Vor einigen Jahren war auch Ehebruch strafbar. Hätte das Gesetz heute noch Gültigkeit- die halbe Verwaltung hier wäre vorbestraft“ (Esser 1996: 48).
Doch in unserer Gesellschaft und Kultur gilt Exhibitionismus zurzeit noch als „abweichend“ und „unakzeptabel“, so dass dies auch vom Gesetzgeber Berücksichtigung finden muss.
5.3.4 Exhibitionismus aus Sicht eines Exhibitionisten
Und so, wie die des Richters, ist auch die Ansichtsweise eines Exhibitionisten, wie sich anhand eines Interviews (vgl. Experteninterview mit Herrn Esser: Anhang 4) herausstellte. Für ihn ist Exhibitionismus keine Krankheit, sondern eine Neigung, die zwar in unserer Kultur nicht vollkommen akzeptiert werden sollte, doch ebenso wenig wegtherapiert werden kann, wie es damals noch mit Homosexualität versucht wurde. Seine langjährigen Erfahrungen im Bereich des Exhibitionismus lassen ihn zu dem Schluss kommen, dass weder Therapien noch harte Strafen diese Neigung beseitigen können und das einzige Ziel von Exhibitionisten daher sein kann, mit dieser Neigung gesellschaftsfähig umgehen zu können. Würde die Gesellschaft aber aufgeklärter sein, würde es allen einfacher fallen, mit diesem Thema umzugehen
Auf die Frage nach dem Grund der Neigung gab der Exhibitionist an, dass es keine plausible Erklärung gäbe. Die Beantwortung erstrecke sich von ihm wie auch von Experten lediglich auf Spekulationen, ob es angeboren, anerzogen, durch das soziale Umfeld oder sexuellen Erfahrungen geprägt wurde. Weiter gibt er an, dass der Exhibitionismus zu seinem Leben gehöre wie Essen und Trinken. Und so erläutert er auch beispielhaft eine solche Situation: „So wie man Hunger oder Durst hat und dieses Bedürfnis versucht zu stillen, so ist mein Sexualtrieb (u.a. die sexuelle Zeigelust), vermutlich sind Hormone und Libido mit verantwortlich. Der Kick ist ein unglaubliches berauschendes Hochgefühl das stärker ist als jede Vernunft“ (Esser). Einen bestimmten Auslöser gäbe es dabei nicht, bei ihm seien es aber aufreizend gekleidete Frauen, die seine „Zeigelust“ stimulieren. Doch mittlerweile, dies auch durch die Therapien, habe er gelernt, seine „Zeigesucht“ zu kontrollieren und diese eher an Orten, wo es legal ist, wie beispielsweise in FKK Bereichen, auszuführen. Die Frage nach der Vereinbarung der heutigen Sexualtoleranz mit der Strafbarkeit des Paragraphen beantwortete er mir mit den Worten „Heuchelei und Doppelmoral“ (Esser), da der Paragraph mit seiner Sanktion seiner Meinung nach im Bezug auf die moderne Sexualtoleranz nicht als verhältnismäßig anzusehen sei. Ferner ist er auch nicht der Meinung, dass sein Verhalten zu „Opfern“ führe. Für ihn ist seine Handlung für eine weibliche Person, der gegenüber er seine Genitalien zeigt, eine Sympathiebekundung und ein Kompliment. Keinesfalls, wie oft angenommen, sei der „Kick“ dabei das Beleidigen, Schockieren, Erschrecken oder Angst einjagen. Für ihn ist es bis heute sehr unverständlich, warum unsere Gesellschaft mit solcher Härte gegenüber Exhibitionisten auftritt, wenn im Vergleich zu anderen Kulturen doch viel humaner damit umgegangen wird. Menschliches Verhalten ist für ihn in vielerlei Hinsicht rätselhaft und so geht er mit seiner für ihn rätselhaften Neigung mit Ironie, Humor und Zynismus um. Doch ist ihm dabei auch bewusst, dass unsere Kultur dieses Verhalten nun einmal als „abweichend“ charakterisiert, dementsprechend man lernen muss, sich zu verhalten- auch mit dieser Neigung.
5.3.5 Ein Vergleich zur Akzeptanz weiblicher Exhibition
Die Akzeptanz unserer Gesellschaft zu weiblicher Exhibition scheint größer zu sein. Durchforstet man die Literatur nach Definitionen des Wortes “Exhibitionismus“, so findet man einige Begriffserläuterungen, die sich ebenso auf die Frau beziehen. So heißt es demnach oft, dass Exhibitionismus das Entblößen der Geschlechtsteile (neutral) und der weiblichen Brüste darstelle.
Natürlich zeigen sich auch Frauen in schamverletzender Weise, doch dies ist in unserer Gesellschaft akzeptierter und scheint die Männerwelt nicht derart zu stören. Vor allem in den Sommermonaten bieten sich in vielen Parks und Badeorten Anblicke der weiblichen Brust. Die meisten Badeanzüge und Bikinis haben kaum noch die Aufgabe, die Geschlechtsteile zu verdecken, sondern wahren eher eine dekorierende Funktion.
In unserer Gesellschaft ist kaum bekannt, dass Frauen ihre Schamteile unter Zwang darstellen. Doch noch weniger ist bekannt, dass Männer ein solches Verhalten stört bzw. stören würde. Esser (1996) berichtet in seinem Buch von einer Frau, die eine Selbsthilfegruppe für Exhibitionisten besuchte und ebenfalls unter dem Zwang stünde, sich der Öffentlichkeit in schamverletzender Weise zu zeigen. Auf die Frage, ob sie jemals Ärger mit der Polizei bekommen hätte, antwortete sie mit „nein“. Ihre männlichen „Opfer“ blieben in der Regel friedlich und hätten das ihnen Dargebotene genossen (vgl. Esser 1996: 60/61).
Auch die Suche in journalistischen Veröffentlichungen bot Einblicke in eine skurrile Welt. Es las sich eine Vielzahl von Überschriften und Bildern leicht bekleideter Frauen. „Headlines“ wie „Sommerhitze bietet Betrachtern reizvolle Einblicke“ oder „Schöne Anblicke“ rankten über die Seiten von Zeitungen und Internetartikeln. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie weibliche „Nacktheit“ als etwas Positives, Erfreuliches und Schönes bewerten. Männliche „Nacktheit“ hingegen wird in unserer Gesellschaft eher negativ bewertet und teilweise mit Gewalt und Bedrohlichkeit in Zusammenhang gebracht. Interessant ist dabei auch eine fiktive Geschichte, die in Alfred Essers (1996) Buch zu lesen ist und die unterschiedliche Einstellung der Gesellschaft zu weiblichem und männlichem exhibitionistischen Verhalten darstellt: „Wenn ein Mann, der an einem Appartement vorbeikommt, stehenbleibt, um eine Frau zu beobachten, die sich vor einem Fenster auszieht, wird er als Voyeur verhaftet. Wenn eine Frau, die an einem Appartement vorbeikommt, stehenbleibt, um einen Mann zu beobachten, der sich vor dem Fenster auszieht, wird der Mann als Exhibitionist verhaftet“ (Esser 1996: 71). Diesen Sachverhalt gälte es hinsichtlich der Strafbarkeiten zweifellos noch genauer zu betrachten, doch kann er zumindest zum Nachdenken hinsichtlich der Einstellung der Gesellschaft zu diesem Problem anregen.
5.3.6 Ein unter Strafe gestelltes Verhalten der Entblößung im Verhältnis zur heutigen Toleranz zu „Nacktheit“ in der Gesellschaft
Eine auf der einen Seite hohe Sanktion, die gegebenermaßen „Nacktheit“ bestraft, steht in unserer Gesellschaft auf der einen, eine hohe Toleranz von „Nacktheit“ in Medien auf der anderen Seite. So beispielsweise bei Betrachtungen der Ideologie zu Mode und Werbung in der Öffentlichkeit. Mode, vor allem Frauenmode, ist kaum Grenzen gesetzt, ist sie noch so provokant und herausfordernd. Auch hier ergab eine Recherche im journalistischen Bereich Aufhänger wie „freche neue Mode“, „Mode- Aussichten und Einsichten“, „gehöriger Schuss an Sexappeal“. Modenschauen werden in durchsichtigen „Kleidungsstücken“ dekoriert. Auch bei der Werbung wird „Nacktheit“ oft verwendet, um damit auch das Produkt als begehrenswert hinzustellen. Hochflatternde Röcke, entblößte Busen oder nackte Schenkel werden selbst für Bier- oder Margarinewerbung genutzt. Doch auch der Mann wird zunehmend als „Lustobjekt“ vermarktet und Frauen beginnen in Werbung mehr „Nacktheit“ bei Männern zu fordern. Eines lässt sich hierbei zumindest festhalten: Mittlerweile wird ein entblößter Mann von der Gesellschaft und auch dem Gesetzgeber geduldet, solange es sich nicht um sexuelle Hintergründe handelt. So werden „Zur-Schau-Stellungen“ im Zusammenhang mit Kunst, Werbung, Jux oder Provokationen, wie beispielsweise bei Demonstrationen, toleriert.
Die Gesellschaft entwickelt sich, und somit auch ihre Einstellungen zu bestimmten Themen. Vergleicht man den doch recht hoch sanktionierten Straftatbestand des Exhibitionismus mit der heutigen Vielfalt an sexuellen Inhalten in der Gesellschaft und in den Medien, so wirkt dies zunächst nicht kompatibel. Doch muss man bei der Toleranz, die zwar viele Menschen heutzutage der „Nacktheit“ und Sexualität entgegenbringen oder selber daran teilnehmen, beachten, dass die Menschen sehr vielfältig sind. So gibt es viele Dinge, die gravierender anzusehen sind als das kurze „Zeigen“ des Genitalbereiches. Man denke dabei beispielsweise an die neuen Moden der Imitation von Pornofilmen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, an Berichte über „Blowjobs“ und Gruppensex als neuste Partytrends in den USA, an die „Men Strip Show California Dreamboys“, eine der erfolgreichsten amerikanischen „Male Dance Gruppen“, die sich auch in Deutschland bei den weiblichen Fans großer Beliebtheit erfreuen. Doch soll der Paragraph eben explizit diejenigen schützen, die ihre Grenzen bezüglich „Nacktheit“ und Sexualität enger ziehen und beim Exhibitionismus ungewollt Teil der Sexualität Fremder werden. Dabei könnte zwar mehr Aufklärung geboten sein, um diese „generelle“ Angst vor schwerwiegenderen Delikten eindämmen zu können, doch kann ebenso die für viele belästigende Wirkung eines solchen Ereignisses nicht außer Acht gelassen werden. Eine Unterscheidung, wenn sich ein Mann nur kurz mit entblößten Genitalien zeigt oder wenn er dabei masturbiert, wäre dabei denkbar. Die „Nacktheit“ an sich ist in unserer Gesellschaft kein derartiges Tabu mehr wie noch vor einigen Jahren und führt deshalb wie Forschungen ergeben haben auch kaum zu nachhaltigen Folgeschäden beim Beobachter. Eine Herabstufung der Sanktion ist in diesem Bereich zukünftig daher vorstellbar. Eine Masturbation dabei geht allerdings noch weiter. So wird ein Beobachter oder eine Beobachterin gewissermaßen zu einem „Sexobjekt“ degradiert und Teil einer fremden, ungewollten Sexualität.
5.4 Exhibitionismus in der öffentlichen Meinung am Beispiel Peine
5.4.1 Was sagen die Zahlen?
Niedersachsen verzeichnete in der PKS im Jahre 2009 5.137 Fälle gegen die sexuelle Selbstbestimmung, wovon 539 exhibitionistische Handlungen nach § 183 StGB darstellten (vgl. Tabelle 1).Insgesamt nehmen die Zahl der Anzeigen in diesem Bereich seit den sechziger Jahren ab (vgl. Chrzanowski (1999: 3).
Im Landkreis Peine waren es im Jahre 2009 92 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und 15 exhibitionistische Handlungen (vgl. Tabelle 2), wobei 8 Tatverdächtige zu verzeichnen waren (vgl. Tabelle 3). Damit ergibt sich für den Landkreis Peine ein prozentualer Anteil von exhibitionistischen Handlungen an den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung insgesamt von 17, 39 % (vgl. Tabelle 4). Erst seit dem Jahre 2008 wird zwischen Handlungen nach § 183 StGB und nach § 183 a StGB differenziert, weshalb keine genaue Angabe über eine Entwicklung von Exhibitionismus erfolgen kann. Ein Trend der zusammengefassten Handlungen ist aber nicht erkennbar, die Zahl der Fälle steigt und sinkt diskontinuierlich. Dies könnte auf die Anzeigebereitschaft der Bevölkerung zurückzuführen sein, die wiederum auf die jeweilige „Stimmung“ in der Bevölkerung, gründend auf Berichten über gravierende Sexualstrafteten oder ähnlichem.
Beim Alter der Tatverdächtigen ist keine Präferenz zu erkennen (vgl. Tabelle 5). Es handelte sich meistens um Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit sowie einer Person mit türkischer und einer mit polnischer Staatsbürgerschaft (vgl. Tabelle 6). Bei den Tatörtlichkeiten fällt auf, dass die meisten Exhibitionisten auf Straßen und Wegen auftraten. Andere Örtlichkeiten waren Gewässer, Grünflächen und Schwimmbäder (vgl. Tabelle 7).
In einer Rückfalluntersuchung von Sexualstraftätern fand die Kriminologische Zentralstelle in Wiesbaden heraus, dass Exhibitionisten mit 50 % die höchste einschlägige Rückfallquote unter den Sexualstraftätern innerhalb desselben Deliktes verzeichnen, aber weniger häufig Straftaten in anderen Bereichen begehen (vgl. Experteninterview mit Frau Jutta Elz: Anhang 2).
5.4.2 Was sagen die Einwohnerinnen und Einwohner von Peine?
Um die Einstellung der Bevölkerung zu den Fragen im Bereich des Exhibitionismus herauszustellen, wurde beispielhaft eine Umfrage bei den Einwohnern von Peine durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 50 Personen mittels eines Fragebogens (vgl. Anhang 13) befragt. Das Alter der befragten Frauen erstreckt sich auf 4 unter 18-Jährige Personen, 13 im Alter von 18-30 Jahren sowie 10 im Alter von 30 Jahren und älter. Bei den männlichen Befragten handelt es sich um 7 unter 18-Jährige, 8 im Alter von 18-30 Jahren sowie 8 im Alter von 30 Jahren und älter (vgl. Abbildungen 2-4).
Ihre Kenntnisse zur Definition des Wortes Exhibitionismus lassen sich insgesamt als gut beschreiben. 40 der befragten Personen gaben dabei eine richtige Antwort. Es fehlte zwar meist ein Merkmal der Definition, weshalb die Antwort nicht ganz ausreichend war, doch spiegeln die Antworten gute Kenntnisse der Befragten wider. Nach Altersgruppen ließen sich dabei keine Unterschiede erkennen, doch fiel insgesamt auf, dass die Kenntnisse der weiblichen Personen mit insgesamt 26 „guten“ Antworten etwas über den als gut zu bezeichnenden Antworten der Männer lagen (vgl. Abbildung 5).
Bei den persönlichen Erfahrungen im Bereich des Exhibitionismus lässt sich festhalten, dass kaum jemand dies bejahen konnte. Nur 4 der befragten Personen gaben eine positive Antwort ab, wobei es sich bei 2 davon um berufliche Erfahrungen im Polizeibereich handelt. Somit haben nur 2 weibliche Personen private Erfahrungen mit Exhibitionisten gehabt (vgl. Abbildung 6).
Beim Schutzzweck der Norm glaubten die meisten Menschen dabei nicht an die Belästigung, sondern an den Schutz vor schwereren Übergriffen durch einen Exhibitionisten (vgl. Abbildung 7).
37 der befragten 50 Personen waren keine Fälle des Exhibitionismus aus ihrem Wohnbereich Peine bekannt. Bei den Restlichen wurde deutlich, dass weiblichen Personen mit einer Anzahl von 9 Personen mehr Fälle bekannt waren als männlichen (vgl. Abbildung 8).
Weiter ließ die Befragung erkennen, dass die Mehrheit mit 33 Personen keine Angst vor exhibitionistischen Handlungen hätte. Dabei überwiegen die männlichen Personen mit 22 Antworten. Bei den Frauen bejahten insgesamt aber 16 Befragte eine Angst vor solch einer Situation. Die größte Angst haben dabei weibliche Personen zwischen 18 und 30 Jahren sowie ab 30 Jahren. Der deutlich überwiegende Grund der Angst stellte auch hier wieder den Gedanken an schwerere Übergriffe dar. (vgl. Abbildungen 9 und 10).
Ferner ist zu erkennen, dass die deutliche Mehrheit mit insgesamt 40 Personen eine Privilegierung der weiblichen Täterin nicht für gerecht empfindet (vgl. Abbildung 11). Dabei ergab die Frage nach Anzeige einer weiblichen Täterin jedoch, dass 32 Personen eine weibliche Exhibitionistin nicht anzeigen bzw. sich davon nicht belästigt fühlen würden. Dies ist unabhängig vom Geschlecht der Fall, doch weisen die Begründungen Differenzen in der Geschlechterverteilung auf. So antworteten ausschließlich Männer mit der Begründung „solange sie gut aussieht, würde es mich nicht stören“ und ein großer Teil der Frauen mit „von einer Frau ist es nicht anstößig“. Wesentliche Begründung beider Geschlechter stellte aber die einfache Antwort dar, es würde sie von einer Frau nicht belästigen (vgl. Abbildungen 12-14).
Zur letzten Frage zur Schwere des Verstoßes vor Erwachsenen in der heutigen Gesellschaft das folgendes Diagramm:

Abb. 1: Bürgerumfrage bei den Einwohnern von Peine: „Sind Sie der Meinung, dass das „Zeigen“ des Genitalbereiches vor Erwachsenen auch heute noch einen schweren Verstoß darstellt?“
Es lässt sich feststellen, dass die deutliche Mehrheit mit einer Anzahl von 32 Personen exhibitionistische Handlungen auch heute noch als einen schweren Verstoß ansieht. Dabei überwiegen die weiblichen Befragten mit einer Anzahl von 18 Personen, wobei auffällt, dass die unter 18-Jährigen nur einen sehr geringen Teil davon ausmachen. Hauptgrund für diese Meinung stellten vor allem die Belästigung und der Sittlichkeitsverstoß dar. Immerhin 18 der 50 Befragten verneinten die heutige Schwere des Verstoßes mit der überwiegenden Begründung, dass so etwas heutzutage eher „Normalität“ sei (vgl. Abbildungen 16 und 17).
6. Fazit
Zusammenfassend lässt sich zu dem Phänomen des Exhibitionismus in der heutigen Gesellschaft festhalten, dass die Liberalisierung und die damit einhergehende Enttabuisierung der Sexualität die seit den sechziger Jahren zu beobachtende rückläufige Tendenz der Anzeigen von exhibitionistischen Handlungen weiter fortsetzen wird. Dies gründet auch darin, dass die Gesellschaft heutzutage eine gewisse „Gewohnheit“ gegenüber „Nacktheit“ entgegenbringt, basierend in der „Zur-Schau-Stellung“ (zum Teil fast) nackter Menschen in Medien, Mode oder auch dem „Sonnenbaden“ in der Öffentlichkeit. Deshalb sind auch psychische Folgen bei den Beobachtern von exhibitionistischen Handlungen generell als gering anzusehen.
Aufgrund der vorliegenden Studien bezüglich der Gefährlichkeit von Exhibitionisten lässt sich schließlich feststellen, dass ein Teil der Exhibitionisten auch wegen schwerwiegenderer Sexualdelikte straffällig wird, doch existieren keine Belege für eine stringente Zunahme der Deliktsschwere. Die herangezogenen Daten lassen demnach nicht den Schluss zu, dass Exhibitionismus in systematischer Weise ein Einstiegsdelikt in schwerwiegendere Sexualstraften darstellt. Wenn Exhibitionisten erneut straffällig werden, handelt es sich meistens um erneuten Exhibitionismus oder andere „Hands-Off-Delikte“, so auch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen.
Es muss aber ebenfalls festgehalten werden, dass die Untersuchungen ergaben, dass Exhibitionisten keine homogene Gruppe darstellen und daher einer differenzierten Betrachtung bedürfen. Demnach existiert eben auch die Gruppe, bei denen „Hands-Off“ Delikte im Laufe der Zeit nicht ausreichen und sie dann zu „Hands-On“ Delikten, also Delikten mit Körperkontakt zum Opfer, übergehen.
Meiner Meinung nach sollte die Sanktionshöhe beim lediglichen Zeigen des Genitalbereiches vor Erwachsenen und Jugendlichen überdacht werden, da solche Bilder in der heutigen Gesellschaft keine Einzelheit mehr darstellen. Man kann solch ein „Zur-Schau-Stellen“ durch die heutigen Medien fast schon als „normal“ bezeichnen. Anders sollte die Betrachtungsweise bei einer Masturbation sein: Hier wird der Beobachter gewissermaßen zum „Sexobjekt“ einer fremden Sexualität degradiert, welches die sexuelle Selbstbestimmung wesentlich mehr tangiert.
Letztendlich ist den unterschiedlichen Einstellungen meiner Meinung nach aber durch das Antragserfordernis im Paragraphen Rechnung getragen. Diejenigen, die den Paragraphen als „überholt“ empfinden, was nach der Befragung bei den Einwohnern in Peine keinen Einzelfall darstellt, werden die beobachtende exhibitionistische Handlung nicht zur Anzeige bringen und es kommt hier also im Regelfall auch zu keiner strafrechtlichen Verfolgung. Diejenigen, die ihre Grenzen zu „Nacktheit“ und Sexualität aber enger ziehen und für die solch eine Handlung eine Empörung darstellt, haben die Möglichkeit des Strafantrages einer strafrechtlichen Verfolgung der jeweiligen Handlung.
Doch gilt es meiner Meinung nach dabei festzuhalten, was der Grund der Anzeige einer exhibitionistischen Handlung ist. Fühlt sich jemand belästigt, so sollte dies auch seinen entsprechenden Gang gehen. Doch ist der Grund für die Anzeige vielleicht oftmals auch nicht das, was sich vor den Augen der Zeugen, sondern in ihren Köpfen abgespielt hat? Bilder von Vergewaltigung und tätlichen Übergriffen? Dies sollte bei einer Anzeigenaufnahme herausgefunden werden, um zu verhindern, dass Exhibitionisten nicht dafür bestraft werden, was sie tun, sondern dafür, was für Vorstellungen und Ängste bei den Menschen geweckt werden. Deshalb sollten auch die Medien ihren Teil dazu beitragen und nicht in derartig bedrohlicher Weise über Exhibitionisten schreiben, sondern die Bevölkerung über die Tatsachen des Exhibitionismus aufklären.
Die Forschungslage bezüglich der Übergänge von exhibitionistischen Handlungen in schwerwiegendere Sexualdelikte scheint derzeit noch nicht eindeutig bewiesen oder wiederlegt. Oft werden Exhibitionisten in den Studien mit anderen Sexualstraftätern zusammengefasst oder es handelt sich nur um eine sehr geringe Zahl an Stichproben.
Es scheinen, abgesehen von den typischen Exhibitionisten, darunter auch einzelne Subgruppen mit spezifischen Gefährdungspotenzial und Wahrscheinlichkeiten des Überganges zu Gewaltdelikten zu existieren. Ziel weiterer Forschungen sollte es deshalb sein, diejenigen Merkmale auszuarbeiten, die auf diese „gefährliche“ Subkultur hinweisen und somit einen differenzierten Umgang zulassen. Darauf aufbauend sind dann polizeiliche sowie juristische Maßnahmen möglich, um diese Gefährlichkeit zu intervenieren.

7. Literatur
De Klerk, Rebecca (1993). Haben wir Angst vor Exhibitionisten oder haben wir Angst vor uns selbst? In: Wolf Vogel (Hrsg.), Materialien zum Thema Exhibitionismus. Berlin: Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität e.V., 29- 36.
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (2010). Internationale Statistische Qualifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. [Elektronische Ressource]. Verfügbar unter: http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/d ... fr-icd.htm [2010- 11- 08].
Diehl, Jörg (2008). Exhibitionismus- „Ich mach doch nix“. [Elektronische Ressource]. Verfügbar unter: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0 ... 04,00.html [2010-11-08].
Elz, Jutta (2004). Exhibitionistische Handlungen- Rechtliche Grundlagen und tatsächliches Vorkommen. In: Jutta Elz, Jörg- Martin Jehle & Hans-Ludwig Kröber (Hrsg.), Exhibitionisten –Täter, Taten, Rückfall. Wiesbaden: Kriminologische Zentralstelle e.V., 9-65.
Elz, Jutta, Jehle, Jörg-Martin & Kröber, Hans-Ludwig (2004). Exhibitionisten. Täter, Taten, Rückfall, Wiesbaden: Kriminologische Zentralstelle e.V.
Esser, Alfred (1996). Zeigen Verboten. Exhibitionismus- ein verkanntes Problem, 1. Aufl., Hagen: Reiner Padligur Verlag.
Esser, Alfred (2006). Exhibitionismus- Die sexuelle Lust am Zeigen. Erkenntnisse, Fakten und Wissenswertes. [Elektronische Ressource]. Verfügbar unter: http://www.zeigen-verboten.de/Download/download.htm [2010-11.12].
Schorsch, Eberhard (1985). Sexuelle Perversionen. Medizin, Mensch, Gesellschaft, 10, 253-260.
Thiel, Peter (2010). Exhibitionismus. [Elektronische Ressource]. Verfügbar unter: http://www.maennerberatung.de/exhibitionismus.htm [2010- 11- 08].
Expertengespräche:
Elz, Jutta, Kriminologin in der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden.
Die Befragung wurde am 07.12.2010 um 16:00Uhr per Telefongespräch durchgeführt.
Esser, Alfred (Pseudonym), Exhibitionist.
Die Befragung wurde am 17.11.2010 um 13:00 Uhr mittels Tonbandaufzeichnung durchgeführt.
Kriegesch, Diplompsychologe und psychologisch approbierten Psychotherapeut.
Die Befragung wurde am 29.11.2010 um 15:00 Uhr mittels Tonbandaufzeichnung im Hildesheimer „Ameos“ Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie durchgeführt.

_________________
Gruss von
Alfred Esser


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 24.01.2016, 15:52 
Offline

Registriert: 17.03.2012, 11:32
Beiträge: 941
Wohnort: Big Town
Eine Arbeit die das bisherige angebliche Wissen über Exhibitionismus zusammengesammelt hat.
Sehr schöne Zusammenfassung. Nur eine eigenständige Arbeit kann ich da nur wenig sehen, eher eine Nacherzählung. Das ist das was ich schon immer bei den bisherigen Studien über Exhibitionismus
angeprangert habe. Also müsste mal jemand eine eigene Arbeit schreiben.

Dieses versucht z.B. Herr Wolf. Die Grundgedanken des Herrn Wolf sind als sehr schön und auch richtig einzustufen. Also wäre als Grundlagenmaterial diese, zwar im sprachlichen Bereich nicht so gute Arbeit, als tolles Ausgangsmaterial zu sehen, sich auch als nicht Exhibitionist, der sich mit diesem Thema befassen möchte, um einen tatsächlichen Einblick zu erhalten.

Ich habe ein anderes Wissen in einigen Punkten..


z.B. zum geschichtlichen Hintergrund.
Dieser scheint mir komplett abgeschrieben.

1970 sollte der § 183 ganz verschwinden, weil er nicht mehr als Zeitgemäß galt. Nach dem 1969 der § 175 ausgesetzt wurde und eine Bestrafung von schwulen Handlungen unter erwachsenen Männern nicht mehr verfolgt wurde. ( Wurde durch die 68 er Studenten Proteste erreicht ) ( Brand Zeit )

In der Zeit von 1970- 1973 haben sich die Studenten-Proteste der 68 er zu kriminellen politischen Bewegung der RAF hin entwickelt.. ( leider )

1973 wurde dann, um die Protestbewegung in Sachen freie Liebe einen Riegel vorschieben zu können der § 183a entwickelt.
Eine zweite Begründung war natürlich, dass schwule öffentliche sexuelle Handlungen nicht geduldet waren unter Strafe stellen zu können.
Natürlich durfte dann der normale nackte Mann der gern sein Glied zeigt, nicht straffrei sein und somit wurde der § 183 beibehalten und den eine krankhafte Begründung geliefert. Um diese Krankheit heilen zu können, was schon damals bekannt war eher unmöglich ist, wurde die Bewährungsstrafe so formuliert, dass auch nach längerer Heilbehandlung immer noch theoretisch eine Bewährungsstrafe möglich wäre. Die Realität zeigt aber eindeutig etwas anderes auf.

Diese klaren tatsächlichen Begründungen durften natürlich so nicht gesagt werden, so dass hier die offiziellen Begründungen ( siehe diese Arbeit 3.2 und 3.3 ). Wichtig dabei war das Ende der Brand Politik und der Anfang des strengen Helmut Schmidts, der den Untergang der SPD Regierungszeit,selbst durch seine extreme konservative Einstellung ( Die eher die eines CDU Politikers entsprach ) eigentlich der Hauptgrund war Moralgesetze wie § 183 und § 183a in das deutsche Gesetz einzufügen. Von wegen Liberalisierung im Zuge der Strafrechtsreform. Ähnliches ist auch heute festzustellen, eine CDU Politikerin, die eher in der SPD gut aufgehoben wäre und eine strenge konservative Haltung der CDU Politiker, verhindern ein vernünftiges zusammenleben aller politischen Meinungen. Die Fronten sind extremer geworden. Sieht man an den Rechtsruck.

Das Fazit:

Das Fazit scheint mit komplett von der Studie zu sein die in Niedersachsen verfasst wurde, ich glaube im Jahr 2003 abgeschrieben (Görgen).

Dieses Fazit wäre meines gewesen in so einer Arbeit:

Es ist eine gefährliche Zunahme von Bestrafungen durch Richter und eine immer stärkere Dämonisierung durch die Polizei, in den letzten 20 Jahren ist festzustellen im Bezug auf Exhibitionisten
Suizide von Exhibitionisten und deren psychische Belastung durch Ausgrenzung und Strafverfolgung bekommen keinerlei Beachtung.
Es wurden schon deswegen nackte Männer natürlich mit Notwehrbegründung einfach erschossen.
Hier muss eindeutig davon gesprochen werden, dass wir es bei der Exhibitionisten-Verfolgung um schwere Straftaten des Staates handelt, die als Volkshetze zu bezeichnen sind und nur ähnliche Begründungen, wie niedere Beweggründe ( Wut über Moralverletzung )dafür zugrunde gelegt werden.
Weiterhin ist es skandalös das Exhibitionisten als Futter für Vergewaltiger in Gefängnissen bereitgestellt werden.
Bewährungsstrafen werden eher nur noch selten ausgesprochen. Haft ist schon fast die Regel.
Weiterhin werden entlastende Rechtsvorschriften in fast jeden Verfahren nicht angewandt durch die Gerichte und es muss ganz klar gesagt werden, dass Rechtsbeugung die Regel ist, wenn es um Exhibitionismus oder nackte Männer geht. Eine harte Bestrafung scheint die Richter geil zu machen aber auch die Polizisten schrecken vor Beweisfälschung, unzulässiger Bildveröffentlichung, Hetze im Netz durch ständige Pressemeldungen nicht zurück. Weiterhin versuchen sie besonders gern Kinder mit reinzuziehen, auch wenn sie 13 sind und so aussehen wie 20 als strafverschärfendes Mittel, sowie wird höhere Bestrafung und noch mehr Empörung durch die Bevölkerung wird so erreicht. Vorfälle in der Nähe von Schulen und Kindergärten, die ja wegen der Vielzahl dieser Stätten, immer vorhanden sind, werden gern zu versuchten Kindesmissbrauch deklariert. Das auch wenn der nackte Mann nachweislich kein Pädo ist, es wird eben jeder gern zum Pädo abgestempelt. Bestrafen scheint geil zu machen. Umso höher umso geiler werden diese Superpolizisten. Wenn sie aber auf echte Verbrecher treffen ( kriminelle Rocker z.B.), dann trauen sie sich das nur mit mehreren Hundertschaften.

Die Bevölkerung selbst ist durch diese § 183 und § 183a so erzogen wurden, dass sie immer denken, was könnte der denn wirklich schlimmes noch anstellen wollen. Deshalb muss der jetzt verhaftet werden umso schlimmeres zu verhindern. Es wird regelrecht der Bevölkerung insbesondere den weiblichen eingeredet, dass nackt sein und auch noch geil sein, etwas ganz schlimmes ist. Dieses bleibt meist ein Leben lang so erhalten. Also wird Angst geschürt obwohl diese unbegründet ist.

Das es schwarze Schafe gibt, in der nicht homogenen Gruppe der Exhibitionisten ist unbestritten, diese gibt es aber bei allen Menschengruppen.
Die der Prister z. B. die schon oft wegen Kindesmissbrauch aufgefallen sind. Aber auch bei den Polizisten gibt es Vergewaltiger. Mörder und Kinderschänder. Die neueste Meldung über einen Polizisten war, dass dieser viele Waffen, sowie Nazi Symbole in seiner Wohnung hatte.

Zwei wichtige Punkte werden völlig übersehen, durch die Angst vor nackten Männern werden die wahren Vergewaltiger geschützt, denn die sind in aller Regel angezogen und sehr gewaltätig. Weiterhin werden die Kinder nur gewarnt vor den harmlosen Pädom, der draußen sein Ding schüttelt, welches dazu führt, dass Kinder extrem verängigt werden vor fremden Männern. Zuhause aber wird ihnen suggeriert, dass sie dort in Sicheheit seien. Nur aber dort werden die richtigen Kindesmissbräche ( Vergewaltigungen ) durchgeführt. Also dem pädophilen Familienmitglied regelrecht in die Hände gelegt. Natürlich ohne Anzeige, weil ein Kind denkt, das wäre normal zu hause. Jeder fremde Exhibitinist der sich Kindern zeigt, kann mit schwerster staatlicher Verfolgung rechenen. Jahrelanger Knast, chemische Kastration, Suizid, Vergewaltigung im Knast, zupumpen mit Antidepressiver sind die Folge.

Weiterhin kosten es Milliarden dieses runterlassen von Männerhosen durchzusetzen zu versuchen. Der Erfolg ist als nicht gegeben anzugeben. Statt dessen sind nur schwerste Schäden zu beobachten auf allen Seiten, der der ungewollten Zuschauer und der der kriminalisierten harmlosen Männer. Solche Gesetze sind reinste Menschenverarschung und als schwerste Menschenrechtsverletzung einzustufen.

Eine sofortige Abschaffung dieser ist dringend angezeigt.

PS: Natürlich ist mir klar das eine Polizeischülerin nicht die Wahrheit sagen darf, denn dann würde sie ja nie in den Polizeidienst aufgenommen werden. Deshalb bringen solche Arbeiten wenig. Im Gegenteil sie helfen mit der Polizei zu zeigen, dass ihr Verfolgungswahn schon richtig ist.

_________________
Menschen sollen so sein wie sie sind und nicht durch Regeln so eingeschränkt werden, dass ihr Leben nicht lebenswert ist, solange kein anderer zu Schaden kommt dadurch.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 01.05.2019, 11:07 
Offline

Registriert: 18.02.2008, 23:52
Beiträge: 148
Wohnort: Dortmund
Fakten und Wissenswertes zum Tabuthema Exhibitionismus - von Alfred Esser
Sexualität gehört wie Essen und Trinken zu uns Menschen und so verschieden wir Menschen sind, sind wir auch dabei. Seit Menschengedenken gibt es z. B. Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität, Prostitution, Voyeurismus und eben auch Exhibitionismus. Weder durch harte Sanktionen noch Therapie - Versuche konnten diese „Irrungen und Wirrungen“ unschädlich gemacht werden.
Was man über Exhibitionismus wissen sollte – daher:
Aufklären statt Panik machen.
Man sollte endlich offen und sachlich über das Tabuthema Exhibitionismus – die sexuelle Lust/ Sucht am Zeigen – aufklären anstatt unverhältnismäßig zu dramatisieren und die Bevölkerung ungerechtfertigt verunsichern. Die meisten Exhibitionisten (ca 70 %) sind Heterosexuell und zeigen sich ausschließlich nur vor Erwachsenen Frauen. Dann gibt es die Homosexuellen die sich nur männlichen Personen zeigen, die Bisexuellen die sich Frauen und Männern zeigen, die Pädophilen die vor Kinder die Hosen herunter lassen und nur sehr selten, dass Einer vor allen und jedem exhibiert.
Exhibitionisten die sich Erwachsenen Personen zeigen – wollen in der Regel weder erschrecken, beleidigen, schänden und schon gar nicht gewalttätig sein.
Übrigens gibt es auch Frauen, die sich gerne entblößt zeigen, jedoch werden diese nicht kriminalisiert (§ 183) da die meisten Männer es nicht nur tolerieren sondern sich noch über den gebotenen schamlosen Anblick erfreuen. So wie noch vor einiger Zeit nur homosexuelle Männer bestraft wurden (nach § 175) – konnten Frauen dagegen (zumindest nach dem Gesetz) so lange und oft Sex miteinander haben wie sie wollten. Was das Wissen und die Kenntnis über den männlicher Exhibitionismus betrifft, befinden wir uns in unserem Land noch im finstern Mittelalter. Sowie bsw eine homosexuelle Person weder durch Strafen oder Therapien dazu gebracht werden kann den Normen der gesellschaftlichen Sexual Vorstellungen zu entsprechen – nämlich Frau liebt Mann, Mann liebt Frau also heterosexuell – sowenig kann der geächtete männliche Exhibitionismus völlig unterdrückt oder ausgemerzt werden.
Leider gibt es auch in der heutigen Zeit immer noch einige (jedoch nicht alle) Psychologen, Therapeuten oder sogenannte Experten deren Kenntnisse und Wissen über den männlichen Exhibitionismus aus der Zeit stammen als die Menschen noch glaubten – die Erde wäre eine Scheibe. Ihre selbstgefälligen, schlau anzuhörenden und lesenden Statements (bei Interviews) sind oftmals schlichtweg falsch und unlogisch – entsprechen nicht der Realität. Der Grund – weil sie die Rechnung ohne den Wirt machen, wie es im Volksmund so schön heißt.
Unverständlich und rätselhaft ist auch der oftmals übertriebene polizeiliche Einsatz nach (nachweislich) harmlosen Exhibitionisten, wo doch ständig gejammert wird und zu hören und lesen ist – Polizei und Justiz wären überlastet. Es gibt einige „Belästigungen oder Bedrohungen“ in unserer Gesellschaft die für Jemanden unangenehm, ekelig oder gefährlicher sind oder wirken, bei denen die Polizei (wenn sie denn gerufen wird) sich lange nicht so engagiert zeigt.

Alles was mit Sexualität zu tun hat unterliegt offensichtlich einer gewaltigen Anziehungskraft.
Fakt ist jedenfalls auch, (was gerne von den Medien unterdrückt und verschwiegen wird aus welchen Gründen auch immer), dass einige aufgeklärte, selbstbewusste, emanzipierte Frauen eine männliche exhibitionistische Zurschaustellung als witzig ansehen und sich darüber amüsieren können oder es als ein interessantes, prickelndes geiles Erlebnis ansehen – während andere sich als „Opfer“ sehen und benutzt fühlen, wobei auch Ekel oder unbegründete ängstliche Phantasien die Ursache sein können. Die unbegründete Angst (Phobie) ist ähnlich wie die Furcht vor einer Spinne oder kleinen Maus. Oftmals erstatten Frauen nur deswegen Anzeige weil sie die Vorstellung haben (es ihnen so einsuggeriert wurde) der Exhibitionist könnte ja schlimmeres tun als sich nur “Zeigen” und die Justiz bestraft daher entsprechend hart oder ist mit der Problematik überfordert, einer gewissen Hilflosigkeit ausgesetzt.
Auf keinen Fall möchte ich hier den Eindruck erwecken Exhibitionismus sei in Ordnung und müsste toleriert werden und schon gar nicht vor Kindern. Moralisch gesehen sicherlich nicht akzeptabel – doch es zu kriminalisieren erzeugt nur unnötige Angst, Panik und Hysterie und das ist ebenfalls etwas verwerfliches. Das menschliche Verhalten ist oftmals Rätselhaft und kann nur durch offene, sachliche Nachforschungen ein wenig Klärung bringen. Dazu müssten wir aber die weit verbreitete Heuchelei und Doppelmoral einmal beiseite schieben und lernen Unterscheidungsvermögen zu praktizieren, die Verhältnismäßigkeit zu berücksichtigen und uns nicht von Vorurteilen und falschen unrealistischen Vorstellungen leiten lassen.
Übrigens kann man schon bei kleinen Mädchen und Jungen beobachten, dass sie gerne, lustvoll und voller Stolz ihre Geschlechtsorgane zu Schau stellen (schon Sigmund Freud stellte das fest). Bei manchen Menschen ist/ bleibt dieses “schamlose Verhalten” ein leben lang fest Verankert - während bei anderen Personen es sich in Luft auflöst.
Die Frage stellt sich - ist der Exhibitionist ein Sündenbock für die allgemeine verwerfliche, anstößige, verdorbene oder verlogene Moral der Gesellschaft ? Bei einer genaueren sachlichen Betrachtung muss das leider angenommen werden.

Und wer ist das wahre Opfer - der Exhibitionist der durch seiner “moralischen Verfehlung” verhältnismäßig hart bestraft wird, oder die erwachsene Frau/ Person die die Möglichkeit hat die Zurschaustellung zu ignorieren, einfach wegzuschauen?
Expertenkommission plädierte für Reform
am 16.10 18 war folgendes u.a. zu lesen:
So kam jüngst noch die vom damaligen Bundesjustizminister Heiko Maas eingesetzte Expertenkommission zu dem Schluss, dass im Sexualstrafrecht großer Änderungsbedarf bestehe
In ihrem Bericht plädierte die Kommission sogar für eine völlige Streichung des Exhibitionismus-Paragraphen § 183..

_________________
Gruss von
Alfred Esser


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de